Co-working-space-sharing-comunity?

Ist euch mal aufgefallen, dass in viele Läden ein »Co-working-Space« einzieht und das dort, wo früher ein Blumenladen, ein Kiosk oder Schuster war, inzwischen Leute an ihren Rechnern sitzen um neue start-ups zu entwickeln oder ihre Doktorarbeit zu schreiben? Die Vielfalt durch Kleingewerbe geht so verloren (und bei vielen Kleingewerbetreibenden auch die Existenz) und aus der ursprünglichen Idee, sich aus Kostengründen mit Freund*innen und Bekannten ein Büro zu teilen, ist inzwischen ein einträchtiges Geschäftsmodell geworden.

Teilen heisst heute sharing, und egal ob es Fahrräder, Elektroroller oder Büroräume sind, im Grunde werden gemeinschaftliche Prinzipien verkapitalisiert, also es wird Geld gemacht mit Konzepten, die eigentlich mal nicht kapitalistisch gedacht waren. Diese Verkapitalisierung oder  Verkommerzialisierung begegnet uns in vielen Formen. Teilten sich früher mehrere Menschen ein Auto, so ist heute Carsharing in aller Munde. Überall stehen Autos von Car2Go oder Drivenow herum, allzeit bereit für den Einsatz. Die Idee, dass Fahrzeuge nicht in individuellem Besitz sind, sondern von mehreren genutzt werden, ist ja erst mal ganz gut. Man darf aber nicht vergessen, dass »Sharing« in dem Fall nicht wirklich Teilen bedeutet, denn im Grunde leiht man sich das Auto für eine gewisse Zeit, es ist also eher mit Taxifahren vergleichbar, nur das man selbst fahren muss. Es gibt inzwischen auch Apps bzw. Plattformen, über die man sein privates Auto anderen zur Nutzung anbieten kann, natürlich gegen Geld. Das entspricht schon eher dem ursprünglichen Gedanken des Teilens und es steht auch kein großer Konzern dahinter, wie beispielsweise BMW mit  DriveNow oder Daimler mit car2go. Es wäre ja mal spannend zu wissen, ob die Carsharing-Modelle tatsächlich als Ersatz für ein eigenes Fahrzeug genutzt werden, oder ob es nur eine zusätzliche Fahrmöglichkeit ist. Wenn man z.B. abends ausgeht oder man zum Bahnhof fahren will, nimmt man eher ein Auto vom Carsharing-Unternehmen, dass man dann einfach irgendwo stehen lässt, als teure Parkgebühren für das eigene Auto zu zahlen oder in Versuchung zu kommen, betrunken nach Hause zu fahren (was man aber mit dem Carsharing-Auto ja auch machen könnte). Machen also die Carsharing-Autos die Stadt noch voller oder sorgen sie insgesamt für weniger Verkehr? Ein anderes Problem ist, dass die Nutzung meist im Minutentakt abgerechnet wird – und so rasen viele wie die Irren, schnell noch bei Rot über die Ampel, kostet ja Geld und je schneller ich ankomme, um so weniger muss ich zahlen.

Bei den Co-working-Spaces ist die Anzahl kommerzieller Anbieter inzwischen unüberschaubar. Große Firmen werben damit, Teil einer »Community« zu werden, sich Räume und Ressourcen zu teilen. Dahinter steht aber nie eine echte Gemeinschaft, in der man sich die Miete und Nebenkosten teilt, sondern ein Geschäftsmodell, bei dem Einzelne oder große Firmen Gewinne erzielen. »Community-Space« hört sich vielleicht besser an als »möblierte Büro-, und Besprechungsräume«, meint aber das Gleiche. Die »Factory«, ein »startup ecosystem«, nach eigener Aussage Europas größter Startup-Club, hat sich in der alten Agfa-Fabrik an der Lohmühle in Treptow angesiedelt. Dort gibt es auf 14.000qm auch ein Bällebad für die Mitglieder…wie peinlich ist das denn? Dass die ganzen start-up-Club-Mitglieder wahrscheinlich auch gerne in der Nähe wohnen wollen und die Factory dazu beiträgt, dass die Mieten im Kiez rasant steigen werden, dass interessiert die Mitglieder wahrscheinlich weniger, wenn sie im Bällebad liegen und Club-Mate trinken. Ist ja alles» Gemeinschaft«…äh..Community…und da wird halt geshared, eben auch unser Kiez und unsere Wohnungen. Angesichts der immer knapper werdenden Ressourcen, der Umweltverschmutzung und so weiter…wer denkt da schon an die Profitinteressen der Firmen dahinter?

 

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